Was für einen selbst schlussendlich "das richtige Land" ist, hängt sicher von vielen verschiedenen persönlichen Fakoren ab. Ich kenne genug Amerikaner, die unbedingt in Deutschland oder Österreich leben wollen. Umgekehrt kenne ich viele Österreicher und ein paar Deutsche, die mit grossen Erwartungen hergezogen sind und es dann überhaupt nicht ausgehalten haben.Cowboy hat geschrieben: Das Leben könnte doch sooo einfach sein. Man müsste nur im richtigen Land leben... Und das ist nicht D!!!![]()
Wer aus unseren mitteleuropäischen Gefilden in die USA zieht hat in etwa mit den selben "Hürden" zu tun, wie es wohl viele DDR-Bürger nach dem Fall der Mauer hatten. Statt es mit der Einhaltung von ein paar einfachen Regeln gemütlich und ohne viel Nachzudenken sicher von der Wiege bis zur Bahre vom Staat durch's Leben geschaukelt zu werden, muss man hier ein hohes Mass an Eigenverantwortung und vor allem Initiative aufbringen. Wer sich nicht selbst um Kranken- und Pensionsversicherung kümmert, hat nur Mindestversorgung - was im Klartext heisst, dass es im Spital ggf. nur lebenserhaltende Massnahmen gibt und ein paar hundert Dollar monatlich Pension, mit denen keiner überleben kann.
Also muss man sich bei Zeiten selbst um alles kümmern, die Angeote der Versicherungen genau überprüfen, durchkalkulieren und dann brav einzahlen.
Wer das nicht auf die Reihe kriegt, endet als Fallbeispiel in den Horror-Sendungen, die vom US-TV als Kritik am eigenen System gemacht und dann gerne in Europa als Beweis der Richtigkeit des eigenen Systems gezeigt werden.
Was sicher auch nicht jedem schmeckt der in D, A, CH, etc. augfewachsen ist: Hier muss jeder eine komplette Steuererklärung abgeben. Bis auf minimale Abzüge, bekommt jeder Arbeitnehmer nahezu das komplette Brutto-Gehalt ausbezahlt. Davon muss jeder selbst die Steuern abführen. Es sind von jedem Bürger 2 Steuererklärungen auszufüllen: Für Bundes- und die staatlichen Steuern. Im günstigsten Fall ist jede der beiden Steuererklärungen durchschnittlich 4-6 Seiten lang.
Für Firmen wird's noch viel interessanter. Wir haben zBsp. vier verschiedene Erklärungen abzugeben - in Summe 120 Seiten, für Gewerbesteuer, Bundessteuer, Staatliche Steuer und natürlich Mehrwertsteuer.
Auch Arbeitslose und Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben - und natürlich auch Rentner aus dem Ausland
Was schon viele USA-Urlauber vom Wahnsinn der Amis überzeugt hat: Ausgenommen beim Treibstoff an der Tankstelle sind alle Preise netto angegeben. Es kommt also auch beim Einkauf im Supermarkt oder der Anschaffung eines Burgers bei McDonalds immer noch die County-Sales Tax dazu, spich die Mehrwert-, bzw. Verkaufssteuer des jeweiligen Bezirks, bzw. Landkreis. In LA County haben wir 8.25%, in Orange County - 10 Minuten von hier - sind's nur 7.5%. Sowas ist beim monatlichen Grosseinkauf durchaus zu berücksichtigen und einzukalkulieren.
Man kann auch richtig sparen, wenn man sich mit den ielen Coupons angefreundet hat, die's immer und überall gibt. Allerdings muss man dafür auch immer schön das Kleingedrukte lesen. Im Supermarkt bringt das bei vielen sinnvollen Artikeln eine Ersparnis von oft 50%. Auch die oft angepriesenen "Mail-In Rebates" sind oft sehr effektiv, erfodern aber wieder Eigeninitiative in Form vom Ausfüllen von Formularen und Einschicken an die richtige Adresse, etc.
Von 3-wöchigen Urlauben, monatelangen Krankenständen, u.ä. muss man sich als gelernter Mitteleuropäer hier auch ganz schnell verabschieden. Die "Benefits" (ob man eine firmenseitige Zusatz-Krankenversicherung, Rentenversicherung, etc. hat oder nicht), sind mit dem Arbeitgeber direkt auszuverhandeln. Eine Verpflichtung für den AG besteht nicht. Ob man dann zu "Medical" (allgemeinmedizin) auch noch "Dental" (Zahnarzt) bezahlt bekommt, ist zBsp. an Verhandlungspunkt.
Aber in den meisten ällen gibt's ohnehin weder das Eine noch das Andere, sondern der Arbeitnehmer muss sich um die entsprechende Versicherung kümmern. Dafür steht eine Vielzahl von Unternehmen zur Auswahl und es heisst wieder genau nachrechnen, Kleingedrucktes lesen, etc.
Bezahlter Ulaub ist im Normalfall nach einem Jahr Volleitbeschäftigung drin - eine Woche maximal. Wer sich entsprechend hocharbeitet und lang genug bei einer Firma ist, schafft es irgendwann auf 10 Tage, zwei Wochen, vielleicht sogar wirklich auf drei Wochen. Bezahlter Krankenstand ist nach drei Tagen eine Frage der eigenen Krankenversicherung. In vielen Fällen heisst Krankenstand aber ohnehin Kündigungsgrund. Das muss nicht bedeuten, dass man tatsächlich gekündigt wird, aber man kann gekündigt werden.
Daher sind Kurzurlaube, Wochenend-Trips und Feiertage das Allerheiligste. An verlängerten Wochenenden schau jeder dazu, dass er mit Famile, Sack & Pack ein bisschen rauskommt. Aus LA zBsp. wälzt sich jeden Freitag eine Kolonne nach Las Vegas und eine in die Wüste. Die einen machen Patry, die Anderen fahren mit Wohnmobil oder Pickup und Anhänger mit Quads, Motocross-Maschinen etc. zum Offroadspass. Im Sommer sind viele mit Booten am Hänger zu den Seen unterwegs. Manchmal fährt Mutti mit'm Wohnmobil und den Kindern drin, und Pappi mit'm Pickup und Boot hinten dran an die 600 - 700km, nur um einen, ev. zwei Tage am See zu verbingen. Am Sonntag Aben wälzen sich die Kolonnen dann wieder in die Stadt. Wer Pech hat, kann dann für den Trip von Las Vegas nach LA schon einmal 12-14 Stunden brauchen, wo's unter der Woche in 5 Stunden zu machen ist.
Dass man am Montag wieder in alter Frische am Arbeitsplatz erscheint, gilt noch immer für die meisten als Ehrensache.
Was viele Deutsche und Österreicher auch ganz schlecht wegstecken, ist der offen zur Schau gestellte Patriotismus. Was hab' ich mir hier nicht schon von Besuchern aus der "Heimat" anhören können, weil an Feiertagen viele die Flagge raushöngen und die Stars & Stripes sowieso allgegenwärtig sind. Ums hat man halt als Kindern schon eingebläut, dass Patriotismus fast gleich Nazitum ist und wir uns ja zu schämen haben. Die Schweizer haben das Problem nicht, dort darf die Flagge gezeigt werden - und wird auch mindestens so viel wie in USA. Von den Franzosen und Engländern fang' ich gar nicht erst an. Aber viele Freunde aus D und A streut's halt beim Anblick der 2. US-Flagge schon auf - und das ist meist schon am Flughafenzubringer
("Heimat" ist ja eigentlich auch ein "belasteter" Ausdruck)
Wie gesagt: Jeder muss für sich herausfinden und entscheiden, was für ihn selbst das bessere "Paket" ist. Manche haben die Möglichkeit und können sich's aussuchen, viele leider nicht. Auch hier gibt's Unzufriedenheit und jede Menge Kritik am eigenen System - nach meinem perönlichen Eindruck nach sogar mehr und viel härtere Kritik als in Europa. Der Unterschied ist jedoch, dass man in dn USA Selbstkritik als positiv auffasst, dafür aber ab einem gewissen Mass dann keine Kritik von aussen mehr akzeptiert. Wenn's gegen amerika geht, dann stehen alle zusammen. In Europa kennt man so ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht. Abgesehen von den Native Americans, ist hier jeder Einwanderer - wenn auch in der x-ten Generation. Irgendwann haben die Vorfahren beschlossen, dass es hier besser sein muss. Und daran halten die Nachfahren im Zweifelsfall fest.
Viele in Euopa, oft heftigst kritisierte Punkte, entstammen dieser Einwanderertradition. ZBsp. das Recht auf Waffenbesitz, das Recht auf die Jagd zu gehen, etc. Als die ersten grossen Einwanderungswellen im 18. und 19. Jahrhundert aus Europa stattfanden, gab's in den Herkunftsländern der Einwanderer meist kein recht auf selbstbestimmung, Waffenbesitz oder jagd. Man musste schon sehr gut mit dem Herrn Grafen, dem Baron, o.ä. stehen, wenn man sich enmal ein Reh schiessen durfte. In Amerika angekommen, wollte keiner mehr auf diese neue Freiheit verzichten - und das ist bis heute so. Dass angsichts von Schul- und anderen Massakern immer wieder vehement diskutiert wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber es ist einfach eine Tradition und Teil der amerikanischen "Identität". Wer damit nichts am Hut hat, kann ja nach 2 Wochen Florida wieder heimfliegen
Womit sch die Europäer auch immer wieder gerne als überlegen fühlen, ist der offensichtliche Mangel an Allgemeinbildung, denn kaum ein Amerikaner kann ja alle europäischen Staaten aufzählen, oder gar noch deren Hauptstädte dazu. Agesehen davon, dass das auch nicht jeder Europäer kann, muss das hier auch niemanden interessieren. Aber mir ist ganz ehrlich gesagt noch kaum jemand untergekommen, der nicht zumindest ein europäisch-durchschnittliches Allgemeinwissen gehabt hätte.
In Österreich gibt es so "lustige" T-Shirts mit dem Aufdruck "There are no Kangaroos in Austria" (wegen der Verwechslungegefahr mit Australia). Den "Witz" versteht kein Amerikaner, denn die wissen sehr wohl, was der unterschied ist. Nur wenn einer bei Ebay was kauft und nach Austria schicken lässt und das Paket dann einen Umweg über Sidney macht (weil irgendein schlampiger Postfuchs nicht genau auf die Adresse geschaut hat), waren's wieder die dummen Amis - vielleicht sogar, wenn das Paket aus China oder England kommt...
Und so kommen halt immer wieder neue Zuwanderer aus Europa hierher, die davon überzegt sind durch ihre geistige Überlegenheit und herausragende Bildung, binnen kürzester Zeit allen zu zeigen wie's läuft. Irgenfwann kommt dann für viele die grausame Erkenntnis, dass hier niemand verzweifelt auf sie gewartet hat, dass man hier um einiges hätrer arbeiten muss - bzw. dass man wirklich arbeiten muss, um zu überleben - und dann geht's oft mit eingezogener Rute wieder zurück.
Wer sich mit dem system anfreunden kann, oder es sogar besser findet und dazu noch zu harter Arbeit imstande und gewillt ist, der hat zumindestens eine Chance, denn eine Chance wird jedem zugestanden. Das ist, was mir an den meisten Amerikanern immer am besten gefallen hat - Du kommst mit einer Idee und anstatt dir stundenlang auszudeutschen warum das alles Schwachsinn ist und nicht funktionieren kann, verwenden sie die Zeit und Energie darauf sich zu überlegen, wie man's in die Realität umsetzen und wie's doch funktionieren kann.
Es gibt hier natürlich auch die üblichen Zweifler, Kassandras, etc. Aber die muss man schon fast suchen.
Tja, wie gesagt: Jedem das Seine. Es wird immer Leute geben, die sich im Sozialsystem Europas geborgen fühlen, andere die in Amerika ihr Glück versuchen wollen und welche, die in Indien Erleuchtung suchen, etc. Nur um dicke SUV's mit Lift und Push-Bumper zu fahren, muss man nicht hierher kommen. Sowas bringt man auch in D noch irgendwann durch den TÜV. Man muss schon voll und ganz überzeugt sein, dass man hier richtig ist - und man muss was tun dafür.
Dazu fällt mir gleich eines meiner Lieblingszitate ein. Von einer Wandmalerei in Venice Beach, CA:Cowboy hat geschrieben: Na, noch ca. 20 Jahre und dann gehe ich auch rüber. *lol* Aber bis dahin haben die das Rentenalter auf 80 Jahre hoch gesetzt und die Rente komplett gestrichen! Dann wird das auch wieder nix...
Bis dahin werde ich mich hier durchschlagen müssen.
"Life is what's happening while you're busy making other plans..."



